Richard Grune wird am 2. August 1903 in Flensburg geboren. Seine linksorientierten Eltern ermöglichen ihm 1919 eine Ausbildung zum Grafiker. Er selbst steht in Kontakt zu Lehrern des Bauhauses und reist zu Künstlern in Europa, darunter Edvard Munch. Zurück in Deutschland engagiert er sich in der sozialistischen Kinder- und Jugendbewegung, unter anderem in der „Roten Kinderrepublik“, ebenso wie in der homosexuellen Szene.

Dafür zeichnet und illustriert er viel, sodass er 1926 durch eine Ausstellungsbeteiligung große Beachtung erfährt. Als Homosexueller und Künstler stellt er sich mit Plakaten und illustrierten Flugschriften früh gegen die Nationalsozialisten. 1933 muss er bei Freunden in Berlin untertauchen. Am 1. September 1934 wird er jedoch verhaftet und in das KZ Lichtenburg verschleppt. Bis zum Sieg über die nationalsozialistische Herrschaft bleibt er in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern gefangen, zuletzt seit 1940 im KZ Flossenbürg.

Obwohl er dort als Häftling mit dem „Rosa Winkel“ besonders gefährdet ist, gelingt es ihm mithilfe politischer Freunde und durch seine Versetzung in die Malstube zu überleben. Auf dem Todesmarsch im April 1945 gelingt ihm schließlich die Flucht.

Sogleich beginnt er damit, die brutalen Erlebnisse und schrecklichen Bilder aus den Lagern zeichnerisch festzuhalten. Mit ihnen will er in einer Ausstellung die Deutschen wachrütteln, sich ihren Verbrechen zu stellen und eine gerechte Gesellschaft zu errichten. Doch schon die erste Ausstellung wird bald nach ihrer Eröffnung 1946 in Kiel zerstört. Weitere Ausstellungen, unter anderem nahe Flossenbürg, in Nürnberg und Erlangen, bleiben weitgehend unbeachtet.

Nach diesem Schock und der wieder beginnenden Verfolgung als Homosexueller nach demselben § 175 flüchtet er enttäuscht und verletzt aus Deutschland nach Barcelona. Als sein Freund dort stirbt, kehrt er 1962 zurück. Als Homosexueller wird er nicht als Verfolgter des NS-Regimes anerkannt und ist ohne Einkommen vor allem auf die Unterstützung seiner Schwester angewiesen.

Die letzten Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1984 schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Ohne ausreichende Materialien für sein künstlerisches Schaffen zeichnet er oft nur noch kleinformatig auf Papierfetzen.

Erst in den 1990er-Jahren gibt es erste größere Aufmerksamkeit. Inzwischen gehören seine Werke zu den bedeutendsten künstlerischen Zeugnissen ehemaliger KZ-Häftlinge und befinden sich in Museen auf der ganzen Welt.

Richard Grune stirbt am 26. November 1984.

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