Helga Weissová wird am 10. November 1929 als Einzelkind in Prag geboren. Ihr Vater Otto Weiss, ein Kriegsinvalide des Ersten Weltkriegs, arbeitet als Bankangestellter, ihre Mutter als Näherin. Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei 1939 wird der Vater aufgrund der antisemitischen Maßnahmen aus seiner Anstellung entlassen.
Am 10. Dezember 1941 wird die Familie nach Theresienstadt deportiert. Helga wird von ihrem Vater getrennt und lebt später im Mädchenheim L 410. Schon als Kind zeichnet sie. Ihr Vater ermutigt sie mit den Worten: „Zeichne, was du siehst.“ Von nun an hält sie das Leben im Ghetto mit ihren Zeichnungen fest. Sie führt außerdem ein Tagebuch.
In Theresienstadt entstehen etwa 100 Zeichnungen, die den Alltag der Gefangenen dokumentieren. Helga zeichnet Menschen, Gebäude und Alltagsszenen. Da Fotografieren im Ghetto verboten ist, werden ihre heimlich entstandenen Arbeiten zu einem besonderen visuellen Zeugnis des Lebens unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Verfolgung. Als sie 1944 nach Auschwitz deportiert wird, bleiben ihre Zeichnungen und ihre beiden Tagebücher in einem Versteck in Theresienstadt zurück und können so erhalten werden.
Ihr Vater wird im September 1944 aus Theresienstadt deportiert und ermordet. Helga selbst wird im Oktober 1944 gemeinsam mit ihrer Mutter nach Auschwitz gebracht. Beide werden dort als arbeitsfähig selektiert und nach kurzer Zeit als Zwangsarbeiterinnen in das Frauen-Außenlager Freiberg des KZ Flossenbürg überstellt. Bei Kriegsende werden Mutter und Tochter noch auf einen Todesmarsch in Richtung KZ Mauthausen getrieben. Nahezu verhungert erleben sie am 5. Mai 1945 ihre Befreiung.
Nach der Rückkehr nach Prag ergänzt Helga ihre Tagebücher um die Erlebnisse der letzten Wochen. Sie studiert an der Kunstgewerbeschule Prag unter anderem bei Emil Filla und wird akademische Malerin. Sie heiratet den Kontrabassisten Jiří Hošek; das Paar bekommt eine Tochter und einen Sohn.
Auch nach dem Krieg bleibt die Erinnerung an die Verfolgung ein wichtiger Bestandteil ihres künstlerischen Schaffens. 1957/58 illustriert sie für den Schriftsteller Arnošt Lustig die Bücher „Nacht und Hoffnung“ und „Diamanten der Nacht“. 1965 verbringt sie zehn Wochen in der Künstlerkolonie Ein Hod in Israel. Die dort entstandene Bilderfolge wird 1968 im Jüdischen Museum Prag ausgestellt. Eine geplante Ausstellung in West-Berlin kommt nach der Niederschlagung des Prager Frühlings nicht mehr zustande.
Zwischen 1966 und 1986 gestaltet sie 20 Titelseiten für das Jüdische Jahrbuch der Jüdischen Gemeinde in Prag. 1991 zeigt die Klausen-Synagoge in Prag eine große Ausstellung ihrer Werke. Außerdem gestaltet sie ein Relief am Sammelplatz der Deportationen im Prager Stadtteil Holešovice. Seit den 1990er-Jahren werden insbesondere ihre als Kind entstandenen Zeichnungen aus Theresienstadt zunehmend gewürdigt.
1993 erhält sie die Ehrendoktorwürde des Massachusetts College of Art and Design in Boston. 2009 wird sie mit der Josef-Hlávka-Medaille der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik und mit der Verdienstmedaille der Tschechischen Republik ausgezeichnet. Ihr Tagebuch erscheint 2013 in deutscher Sprache unter dem Titel „Und doch ein ganzes Leben. Ein Mädchen, das Auschwitz überlebt hat“.
Wikipedia über Helga Hošková-Weissová





