Schon als junger Mensch muss Michael (*15. April 1926 in Gdańsk) mit seiner jüdischen Familie wegen antisemitischer Anfeindungen den Wohnort wechseln. 1938 zieht die Familie nach Łódź, wo Mutter und Schwester bleiben können, während er mit seinem Vater 1939 weiter nach Warschau geht. Nach der deutschen Besetzung wird er bereits 1940 ins Ghetto eingesperrt und muss dort bis zur endgültigen Liquidierung des Ghettos verbleiben.
Früh leistet er Zwangsarbeit in einer Fabrik und beteiligt sich am Schmuggel ins Ghetto, übernimmt aber auch Kurierdienste für den Widerstand. Mit Beginn des Ghettoaufstands am 19. April 1943 gehört er zu den jüngsten Unterstützern der Kämpfenden. Seine Festnahme mit anderen Zwangsarbeitern direkt in der kriegswichtigen Firma erweist sich als Glück, weil er so zum Arbeitseinsatz weggebracht und nicht wie viele andere vor Ort liquidiert wird.
Zunächst an verschiedenen Arbeitsstellen und in Lagern eingesetzt, wird er zuletzt als Häftling Nr. 60109 in das KZ Flossenbürg verschleppt. Seinen Vater hat er verloren; die Deutschen hatten ihn zuvor ermordet. Als Zwangsarbeiter produziert er meist für Messerschmitt in der Flugzeughalle, berichtet aber auch von Einsätzen im Krematorium. Im April 1945 wird er noch auf einen Todesmarsch getrieben und wenig später endlich von amerikanischen Truppen bei Stamsried befreit.
Gleich 1945 sucht und findet er in Łódź seine Schwester und seine Mutter. Bald verlassen sie jedoch wegen des fortgesetzten Antisemitismus Polen und emigrieren 1950 in die USA. Trotz erfolgreichem Schulabschluss, Ausbildung, beruflicher Erfolge und Familiengründung bleiben schwere körperliche und seelische posttraumatische Folgen, die sein Leben und das seiner Familie stark beeinträchtigen.
1979 trennt er sich und siedelt allein nach Israel über. Dort begibt er sich unter andere Überlebende, lernt seine spätere Ehefrau kennen und fasst Fuß in der Gesellschaft. Ab den 1980er-Jahren beginnt er, seine traumatischen Erlebnisse der Gefangenschaft mithilfe seiner autodidaktischen Malerei in einer Art Erinnerungsarbeit nach Jahrzehnten zu bannen.
Die Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg lädt Michael Smuss mehrmals zu ihren Überlebendentreffen in den 1990er-Jahren nach Regensburg und Flossenbürg ein und stellt erstmals seine Werke in Deutschland und Polen aus. Die Ausstellung an seinem ehemaligen Wohnort Łódź kann er 1997 auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft persönlich gemeinsam mit deren Vorsitzendem und dem Direktor des Staatlichen Historischen Museums eröffnen.
Heute befindet sich die Mehrzahl seiner Werke in den USA.
Michael Smuss stirbt am 21. Oktober 2025 in Israel.


