Aktuelles

Montag, 23. April 2012, Antifaschistischer Gedenktag
 
Gedenkweg für die Opfer des Faschismus
 
Beginn: 17 Uhr, Colosseum-Denkmal in Stadtamhof / Regensburg
 
1.Station: Colosseum-Denkmal
In der Nacht vom 22. zum 23. April 1945 begann der Todesmarsch von 400 Gefangenen des Außenlagers Colosseum des KZ Flossenbürg. Nur wenige erlebten ihre Befreiung nach 278 Kilometern am 1. Mai in Laufen an der Salzach.
 
2.Station: Karavan-Kunstwerk
Die NS-Justiz verfolgete 1942/43 unter der Bezeichnung Neupfarrplatzgruppe mehr als 49 Regensburgerinnen und Regensburger.
Josef Bollwein, Postfacharbeiter; Johann Eibl, Vorarbeiter; Josef Haas, Invalide; Franz Herzog, Arbeiter bei der Wehrmacht; Johann Kellner, Arbeiter; Max Massinger, Gastwirt; Johann Schindler, Kasseninspektor und Georg Zaubzer, städtischer Arbeiter, wurden ermordet, weil sie sich gegen den Krieg und für die Beseitigung des NS-Regimes äußerten.
 
3.Station: Kranzniederlegung an der Synagoge
Die rund 400 Juden in Regensburg wurden enteignet, beraubt und verschleppt. An die 270 wurden ermordet. Text der Gedenktafel an der Jüdischen Gemeinde: „Am 10. November 1938 wurden jüdische Bürger in einem beispiellosen Schandmarsch durch die Stadt getrieben. Am 2. April 1942 wurden hier auf dem Platz der abgebrannten Synagoge 106 jüdische Bürger zusammengetrieben und in die Konzentrationslager deportiert. Am 15. Juli und 23. September 1942 folgten weitere Opfer dem Leidensweg von Millionen Juden, die wegen ihres Glaubens litten und starben. Noch in den letzten Kriegstagen fanden Deportationen von Regensburg aus statt.“
 
4.Station: Gedenktafel für Wolfgang Waller, Minoritenweg 9
„Hier lebte der Schifffahrtsbeamte Wolfgang Waller – 28. November 1880 – Er starb treu seinem christlichen Glauben als Zeuge Jehovas – 6. Juli 1940 – KZ Mauthausen“ Alle drei Gruppen der Zeugen Jehovas in Regensburg leisteten Widerstand gegen den Krieg und das NS-Regime.
 
5.Dachauplatz – letzte Station des Gedenkwegs
In Erinnerung an die Frauendemonstration für die kampflose Übergabe der Stadt gedenken wir der Opfer des 23. April 1945: Dr. Johann Maier, Domprediger (39); Josef Zirkl, Lagerarbeiter (70); Michael Lottner, Hauptwachtmeister a.D. (46).
Sie wurden ermordet, weil sie das Ende des Krieges und die kampflose Übergabe der Stadt forderten.
 
VVN-BdA Regensburg - http://regensburg.vvn-bda.de/
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen
Luise Gutmann, Siedlungsstr. 20, 93138 Lappersdorf, Tel.: 0941/794657

Fotomontage: Colosseum-Denkmal

 

Gedanken zur 66. Wiederkehr des Todesmarsches aus dem KZ-Außenlager „Colosseum“ Regensburg-Laufen/Salzach am 23.4.2011

(Schriftliche Fassung der Rede des Vorsitzenden der „Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg“, Hans Simon-Pelanda)

Man hätte erwarten können, dass  am Samstag vor Ostern sich nicht allzu viele, eher ein kleines Häuflein „Unentwegter“ an diesem Denkmal versammeln.
Weit gefehlt, auch wenn offen darüber spekuliert oder zumindest heimlich damit kalkuliert wurde, dass mit dem Tod der letzten Zeitzeugen, der Verfolgten und der Verfolger, auch die Tat und ihre wahrhaft „nachhaltige“ Wirkung verblassen und zuletzt gänzlich verschwinden würde, beweist nicht nur unser Hiersein, dass eigene Verpflichtung und freiwillig übernommene Verantwortung nicht an Zeit, nicht einmal an die eigene Lebenszeit gebunden sind. Unter uns entdecke ich niemanden mehr, der Zeuge gewesen sein könnte – dafür junge Menschen, die sich dieser Aufgabe stellen.
Sie und ihr Engagement, ihr Verantwortungsbewusstsein bleiben gegenwärtig und wirkungsvoll – es ist nötig und wird nötig bleiben:

Genau vor einem Monat sprach die Süddeutsche Zeitung (23.3. 11) von einem „Schandmal“, von den vom Wald überwucherten monströsen Rüstungsbunkern, die mehr als 8000 KZ-Gefangene bei Mühldorf in Oberbayern in den letzten Kriegsmonaten unter mörderischen Bedingungen aus dem Boden stampften. Einer der bekanntesten ehemaligen Gefangenen, Max Mannheimer, beklagt, dass nichts an die fast 30% von ihnen erinnert, die dabei umgebracht wurden. Der dortige „Verein für das Erinnern“ wird seit 20 Jahren vom bayerischen Staat vertröstet – ein Schelm bin ich, dass mir da unser mehr als 10 Jahre dauerndes Ringen um das Colosseum-Denkmal einfällt.

Anfang dieser Woche wurde Hans Rosengold, der einst vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Regensburg geflüchtet und ohne Hass wieder hierher zurückgekehrt war, beerdigt. Er hat nicht mehr erlebt, dass sein Wunsch nach einer gemeinsamen, von der Stadt verantworteten Gedenkveranstaltung zum Kriegsende in Regensburg anstelle des unwürdigen Schauspiels der getrennten Feiern in Erfüllung ging. Bis heute haben die Arbeitsgemeinschaft, die sich mit Hans Rosengold für dieses würdige Gedenken eingesetzt hat und einsetzt, und er keine ehrliche offizielle Antwort erhalten. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, „man“ möge sich einmal die Mitveranstalter genauer ansehen, darunter seien Kommunisten! Eine Schande, dass die Hatz schon wieder beginnt, oder nie geendet hat!

In dieser Woche berichtete die Mittelbayerische Zeitung über eine Tat, deren Beurteilung ich nur mit Mühe unterdrücke... Just in der vorösterlichen Zeit, in die diesmal die Wiederkehr der letzten Kriegstage in Regensburg vor 66. Jahren fällt, erklärt ein Lehrerkollegium, diese Geschichte und der Leidensweg des Regensburger Altbürgermeisters Hans Weber sei nichts für Kinder in der Grundschule, es könne ihnen nicht vermittelt werden. Damit nicht genug, lehnen sie es ab, die Schule nach Hans Weber zu benennen. Nichts hat man von den nämlichen Pädagogen gehört, wo es um die nach dem Nazibürgermeister Hans Herrmann und die seit Jahrzehnten gültige Benennung einer Schule nach ihm ging.

Lassen wir den Hinweis auf unzählige didaktische Handreichungen zur Naziherrschaft für jüngere Schüler, auf Regensburger Lehrerinnen und Lehrer, die in den unteren Schulklassen Kinder in der ihnen gemäßen Form über die Barbarei des Nazismus und die Verfolgung und Ermordung von Menschen, von Kindern im gleichen Alter, unterrichten –

Wenn die Lehrer der Grundschule Prüfening über Hans Weber im besonderen und die Nazizeit in Regensburg im allgemeinen altersgemäß unterrichten möchten, biete ich ihnen eine kostenlose Lehrerfortbildung für diese spezielle Schülergruppe an, dazu fühle ich mich unserem Freund Hans Weber gegenüber verpflichtet, der wesentlich zur Entstehung dieses Denkmals beigetragen hat. Mein Angebot werde ich der Schule und dem Kollegium gegenüber schriftlich wiederholen.

Nun sollten noch ein paar Worte folgen zum Colosseum, zur Erinnerung an seine toten und misshandelten KZ-ler, wie sie sich selbst nannten. Und wer könnte eindringlicher und berechtigter zu uns sprechen als ein ehemaliger Gefangener? Jedoch nur noch eine Handvoll dürfte noch leben, und unser Freund, der Ehrenvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e. V.“, Herr Tadeusz Sobolewicz, ist erkrankt und fühlte sich nicht in der Lage, nach Regensburg zu kommen. Wir wünschen ihm von dieser Stelle aus rasche Genesung und gute Gesundheit.

Er hat uns eine kurze Botschaft zukommen lassen und sich gewünscht, dass sie hier verlesen wird:

23. April 2011

Botschaft von Tadeusz Sobolewicz, dem Ehrenvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft

Liebe Regensburgerinnen und Regensburger, liebe Freunde!

Auch wenn schon 66 Jahre vergangen sind, seit ich mit 400 halb verhungerten und hoffnungslosen Kameraden auf den Todesmarsch getrieben wurde, erinnere ich mich noch genau:

Ich könnte euch Namen, Orte und schreckliche Erlebnisse aufzählen – doch ich bin krank und nicht mehr „ganz“ jung.

Aber ihr, vor allem die Jungen unter euch, müsst die Erinnerung wach halten.

Die Erinnerung an uns ehemalige Gefangene aus dem Lager „Colosseum“ und ihr Vermächtnis „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“

Es grüßt euch alle und wünscht euch Frieden!

Tadeusz Sobolewicz aus Krakau